9-5 processed Pater Noster

Pater noster, qui es in caelis:sanctificetur nomen tuum.Adveniat regnum tuum.Fiat voluntas tua,sicut in caelo, et in terra.Panem nostrum supersubstantialem (cotidianum) da nobis hodie.Et dimitte nobis debita nostra,sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.Et ne nos inducas in tentationem,sed libera nos a malo.Amen.

Posted on by Karl Heinz Jeron
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Richardplatz

Auf dem Richardplatz schien die Sonne. Das versprach gute Geschäfte. Mein kleiner Auftragskunstzeichenroboter war schnell in Bereitschaft gebracht. Das Publikum konnte kommen. Und dann die ersten Neugierigen: “Was macht der? Ist der kaputt, oder warum bewegt er sich nicht?”
Die kleine Maschine arbeitet für 7.50€ pro Stunde, aber nur wenn sie beauftragt wird. Sie verarbeitet beliebige digitale Daten Byte für Byte – ohne Rücksicht auf das Dateiformat – in eine abstrakte Zeichnung. Aber eben nur nach Auftragserteilung, also wenn jemand eine Datei per E-Mail schickt, auf einem USB-Stick mitbringt, oder ganz einfach Daten aus dem Internet verarbeiten lässt. Dank meines Smartphones hatte ich vor Ort Zugriff auf das Internet und war somit vorbereitet, Webseiten oder einzelne Artikel herunterzuladen und an den Roboter zu verfüttern.
Während der 48 Stunden Neukölln bekam ich 21 Aufträge.
Ein negativer ALG II-Bescheid wurde gescannt und auf einem USB-Stick mitgebracht. Das Gedicht “Was gesagt werden muss” von Günter Grass wurde aus dem Internet heruntergeladen und gleich zweimal zur Verarbeitung beauftragt. Neben vielen Fotos wurde auch das Vater Unser und ein Ausschnitt aus Karl Marx’ Kapital in eine feinstrichige Zeichnung verwandelt.

Posted on by Karl Heinz Jeron
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ALG II

Während 48 Stunden Neukölln hat eine Frau ihren ALG II Bescheid vom 9-5 Roboter für 7,50€ verarbeiten lassen. Sie schrieb:


ALG II, zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben.
Bedarfsgemeinschaftsnummer. Drangsalierung. Drohung, Ermessensspielraum. Grundpflicht. Rechtsfolgenbelehrung, Rechtsbehelfsbelehrung. Verletzung der Meldepflicht und Meldeaufforderung, Sanktionszeiträume. Würdeverlust. Alle paar Wochen wieder durch den Briefschlitz in meine Wohnung geflattert.
Und: 1-Euro-Job. Aber: Mindestlohn! Menschenwürde!
Den zahle ich, und das Konglomerat aus furchteinflößendem und existenzbedrohendem Behördendeutsch verwandelt sich in ein Kunstwerk. Nicht länger ein Schrecken sondern schrecklich schön.
Danke!

Posted on by anonymous
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